Tatorte von Kapitalverbrechen faszinieren. Ihre Begehung ist eine ästhetische Grenzerfahrung, da Räume der Gewalt ebenso furchterregend und verstörend wie fesselnd wirken können. An ihnen sind sich Opfer und Täter vielleicht zum ersten, sicherlich zum letzten Mal lebend begegnet. Hier finden sich Spuren von Taten, die den Ausgangs- oder Endpunkt von (Kriminal-)Geschichten bilden, sie sind warnende oder mahnende Erinnerungsorte für Verbrechen im Sinne individueller oder kollektiver Gedächtnisse.
Die Beiträge des Bandes begehen historische und fiktive Tatorte von der Antike bis heute und blicken auf Bezüge und Wechselwirkungen von Raum und Tat. Von zentraler Bedeutung sind Mediatisierungen in Literatur, Film, Computerspiel und im Netz, die als TatOrte in ihren Modellierungen und Inszenierungen verstanden werden. Mit den Schauplätzen verbundene Stimmungen werden eingefangen, forensische Methoden und Strategien der Enträumlichung oder Verschleierung aufgezeigt sowie verschwundene beziehungsweise unkenntlich gemachte Tatorte besucht.
In der römischen Komödie gestaltet der Figurentypus des intriganten Sklaven sein Intrigenspiel aus einer gesellschaftlich untergeordneten Position heraus mit einer dichterischen Schaffenskraft und setzt sich sowohl mit seinem poetischen als auch gesellschaftlichen Handlungsrahmen auseinander. Dem „servus callidus“ wohnt damit ein poetologisches und gesellschaftliches Reflexionspotential inne, das ihn losgelöst vom antiken Kontext über Jahrhunderte anschlussfähig macht. Die frühneuzeitlichen Dramatiker gestalten dieses doppelte Reflexionspotential bezogen auf zeitgenössische Diskurse neu aus. Ihre Auseinandersetzung mit den antiken Vorlagen schlägt sich in Form zahlreicher intertextueller Verweise in den Komödien nieder.
Über diese intertextuellen Bezüge untersucht die vorliegende Arbeit die Rezeption des „servus callidus“ anhand ausgewählter Beispiele aus dem englischen, französischen und neulateinischen Theater. Ergänzend zur inhaltlichen Textanalyse eröffnet die digitale Methode der Netzwerkanalyse eine dramenübergreifende Perspektive auf diesen Figurentypus. Aufgrund ihrer interdisziplinären Ausrichtung sowie einstiegsfreundlichen Konzeption richtet sich die Arbeit sowohl an ein breitgefächertes wissenschaftliches Fachpublikum als auch an alle Interessierten des europäischen Theaters.
Erfindungen sind so alt wie die Menschheitsgeschichte, ErfinderInnen prägen diese bis heute. Das ihnen zugeschriebene Moment des Kreativen fasziniert, ihre schöpferischen Leistungen sind Meilensteine der Geistes- und Kulturgeschichte. Die Beiträge fragen nach den ‚ersten‘ ErfinderInnen in der Antike und untersuchen ihre literarischen Inszenierungen mit Blick auf Diskursivierungen des Neuen im Sinne der Aushandlung, Funktionalisierung, Aneignung oder Transformation von Erfindungen.
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